Bürgschaftspflicht beim Mieten in den Niederlanden – was Sie wissen müssen
Wer als Ausländer in den Niederlanden eine Mietwohnung sucht, stößt beim Durchstöbern von Inseraten früher oder später auf den Begriff „Bürge" oder „Garantsteller". Die naheliegende Frage: Brauche ich das wirklich? Eine pauschale Antwort gibt es nicht – denn ob ein Bürge notwendig ist, hängt von Ihrer Beschäftigungssituation, Ihrem Einkommen, Ihrer Herkunft und der jeweiligen Vermieterpolitik ab.
Die gute Nachricht: Ein Bürge ist nicht immer Pflicht, und es gibt durchaus Wege, auch ohne einen solchen an eine Wohnung zu kommen. Dieser Ratgeber erklärt Ihnen, in welchen Situationen Vermieter typischerweise einen Bürgen verlangen, wer überhaupt als Bürge infrage kommt – und was Sie tun können, wenn die Suche nach einer geeigneten Person aussichtslos erscheint.
In welchen Situationen verlangen Vermieter einen Bürgen?
Niederländische Vermieter sind gesetzlich nicht dazu verpflichtet, einen Bürgen zu fordern – viele tun es trotzdem, besonders in hart umkämpften Städten wie Amsterdam oder Rotterdam. Der Bürge dient ihnen als finanzielle Absicherung, falls die Miete ausbleibt.
Mit einer Bürgschaftsforderung müssen Sie vor allem rechnen, wenn:
- Sie Student sind – Vermieter stufen Studierende oft als risikoreicher ein, da kein geregeltes Einkommen vorhanden ist oder die finanzielle Unterstützung von der Familie abhängt.
- Sie selbstständig oder freiberuflich tätig sind – Schwankendes Einkommen macht Vermieter nervös, selbst wenn Sie finanziell gut dastehen.
- Sie erst kürzlich in die Niederlande gezogen sind – Wer keine niederländische Beschäftigungshistorie oder Mietreferenzen vorweisen kann, gilt als Risikofaktor.
- Ihr Einkommen knapp über der Mindestanforderung liegt – Viele Vermieter erwarten ein Einkommen von mindestens dem Drei- bis Vierfachen der Monatsmiete. Liegt Ihr Gehalt nur knapp darüber, verlangen sie zusätzliche Sicherheiten.
- Sie aus einem Nicht-EU-Land stammen – Kein offizielles Kriterium, aber manche Vermieter sind mit ausländischen Einkommensnachweisen weniger vertraut und wünschen sich daher extra Absicherung.
- Sie keine Miethistorie in den Niederlanden haben – Wer ohne Referenzen ankommt, wirkt aus Vermietersicht risikobehafteter.
Der Mietmarkt in den Niederlanden ist hart umkämpft, und Vermieter haben die Wahl. Wenn ein Bewerber einen Bürgen mitbringt und ein anderer nicht – wer bekommt wohl den Zuschlag?
Wer kann als Bürge auftreten?
Wenn ein Vermieter einen Bürgen fordert, hat er in der Regel klare Vorstellungen davon, wer dafür infrage kommt. Gefragt ist vor allem jemand mit stabilem Einkommen und nachweisbarer finanzieller Situation in den Niederlanden.
Als Bürgen akzeptiert werden in der Regel:
- Eltern oder Familienmitglieder mit einer unbefristeten Stelle in den Niederlanden und entsprechenden Steuernachweisen
- Personen mit nennenswerten Immobilienbesitz in den Niederlanden
- Ein niederländischer Arbeitgeber, der bereit ist, für Sie zu bürgen (selten, kommt aber vor)
- Freunde oder Partner, die bereits in den Niederlanden leben und ein stabiles Einkommen nachweisen können
Vermieter verlangen vom Bürgen üblicherweise Gehaltsabrechnungen, den Arbeitsvertrag und Einkommensnachweise. Im Grunde prüfen sie, ob diese Person im Ernstfall Ihre Miete übernehmen könnte.
Der Bürge muss kein niederländischer Staatsbürger sein, aber er muss nachweisbares Einkommen oder Vermögen in den Niederlanden haben. Genau hier scheitern viele: Eltern im Ausland erfüllen diese Anforderung schlicht nicht.
Mieten als Student: Besonderheiten und Lösungsansätze
Für Studierende ist die Lage besonders herausfordernd. Die meisten Vermieter setzen bei Studierenden automatisch einen Bürgen voraus, weil kein verlässliches Einkommen erwartet wird. Wer Wohnungen in Amsterdam oder anderswo in den Niederlanden sucht, kennt das Problem.
Ihre Möglichkeiten:
- Eltern oder Erziehungsberechtigte anfragen – Die häufigste Lösung. Eltern können auch dann als Bürge auftreten, wenn sie im Ausland leben – manche Vermieter akzeptieren das.
- Ihre Universität einschalten – Einige Hochschulen bieten Bürgschaftsprogramme an oder stellen offizielle Bescheinigungen über Immatrikulation und finanzielle Unterstützung aus.
- Studentenwohnheime und Hochschulwohnungen nutzen – Organisationen wie KKIK oder der Wohnungsservice Ihrer Hochschule haben oft flexiblere Anforderungen.
- Mitbewohner suchen – Wer sich eine Wohnung mit anderen Studierenden teilt, macht es Vermietern manchmal leichter – oder die Bürgschaftspflicht wird aufgeteilt.
Tipp: Suchen Sie gezielt nach Plattformen und Vermietern, die ausdrücklich internationale Studierende willkommen heißen. Das spart viel Zeit, die Sie sonst mit Inseraten verschwenden, die von vornherein Bürgschaften voraussetzen, die Sie nicht erbringen können.
Alternativen zum Bürgen: So kommen Sie auch ohne eine an eine Wohnung
Niemanden, der als Bürge infrage kommt? Diese Alternativen können helfen:
1. Höhere Kaution anbieten
In den Niederlanden dürfen Vermieter gesetzlich bis zu zwei Monatsmieten als Kaution verlangen. Manche Vermieter verzichten auf den Bürgen, wenn Sie bereit sind, eine höhere Kaution zu hinterlegen. Das signalisiert finanzielle Stabilität und echtes Interesse an der Wohnung.
2. Starke Einkommensnachweise vorlegen
Wenn Sie angestellt sind, stellen Sie eine überzeugende Unterlagenmappe zusammen: die letzten drei Gehaltsabrechnungen, Ihren Arbeitsvertrag, ein Bestätigungsschreiben Ihres Arbeitgebers und Steuerbescheide. Machen Sie es dem Vermieter leicht, sich von Ihrer Zahlungsfähigkeit zu überzeugen – ganz ohne Bürgen.
3. Einen kommerziellen Bürgschaftsdienst nutzen
Anbieter wie Garantme oder DutchGuarantee übernehmen gegen eine Gebühr (in der Regel 3–5 % der Jahresmiete) die Rolle eines persönlichen Bürgen. Das kostet zwar Geld, ist aber eine legitime und von vielen Ausländern genutzte Lösung.
4. Expat-freundliche Vermieter suchen
Einige Vermieter richten sich gezielt an internationale Mieter und wissen um die Schwierigkeiten mit Bürgschaften. Sie sind flexibler, weil sie diese Situation schon mit anderen Mietern durchlaufen haben. Mit HuisPin durchsuchen Sie gleichzeitig Inserate von Funda, Pararius, Huurwoningen und Kamernet – so finden Sie diese aufgeschlosseneren Vermieter deutlich schneller.
5. Möblierte oder befristete Mietwohnungen als Einstieg nutzen
Bei möblierten oder temporären Mietverhältnissen sind die Anforderungen häufig weniger streng – der Vermieter hat durch die Einrichtung ohnehin mehr Kontrolle. Diese Lösung eignet sich gut als Zwischenschritt, während Sie in den Niederlanden noch keine Miethistorie aufgebaut haben.
Bürgschaftsregeln je nach Stadt
Die Anforderungen sind nicht überall in den Niederlanden gleich. In Großstädten sind Vermieter wählerischer, weil die Nachfrage höher ist.
Amsterdam & Rotterdam: Extrem wettbewerbsintensiv. Ein Bürge wird hier von den meisten Vermietern erwartet. Ausländer und Studierende sollten das von Anfang an einplanen. Mietwohnungen in Rotterdam und Amsterdam sind schnell vergeben – wer seinen Bürgen schon parat hat, bevor die Suche beginnt, ist klar im Vorteil.
Kleinere Städte: In Städten wie Leiden, Delft und Zwolle ist die Lage entspannter. Vermieter erhalten weniger Bewerbungen und sind oft bereit, auf einen Bürgen zu verzichten, wenn Ihre Finanzsituation überzeugend ist.
Universitätsstädte: In Groningen und anderen Hochschulstädten sind Strukturen und Erwartungen rund ums studentische Wohnen gewachsen. Bürgschaftspflichten existieren, sind aber manchmal verhandelbar – besonders über den Wohnungsservice der jeweiligen Universität.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ein Bürge ist in den Niederlanden gesetzlich nicht vorgeschrieben, wird aber von vielen Vermietern verlangt – besonders bei Studierenden, Selbstständigen und Neuankömmlingen.
- Bürgen müssen nachweisbares Einkommen oder Vermögen in den Niederlanden haben; Eltern im Ausland erfüllen diese Voraussetzung oft nicht.
- Wenn Sie keinen Bürgen finden, können Sie eine höhere Kaution anbieten, starke Einkommensnachweise vorlegen oder einen kommerziellen Bürgschaftsdienst nutzen.
- Expat-freundliche Vermieter und kleinere Städte sind oft flexibler als der hart umkämpfte Markt in Amsterdam.
- Mit HuisPin durchsuchen Sie mehrere Plattformen auf einmal und finden schneller Vermieter mit unterschiedlichen Anforderungen.
- Studierende sollten sich über Wohnungsservices und Bürgschaftsprogramme ihrer Hochschule informieren – diese sind oft auf internationale Studierende ausgerichtet.
- Bauen Sie so früh wie möglich eine Miethistorie in den Niederlanden auf – das erleichtert zukünftige Bewerbungen erheblich.


